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Minister stellt sich den Fragen    
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2. Juni 2010

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
Minister Dr. Till Backhaus
Paulshöher Weg 1
19061 Schwerin

Kopie per e-mail: Redaktion BLITZ, Redaktion Nordkurier, Herrn Torsten Hackert, Herrn Dr. Kreer, Landrat Heiko Kärger, Herrn RA Ulrich Werner, BUND Schwerin

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Backhaus,

aus dem Blitz vom 30.05.2010 haben wir erfahren, daß Sie sich Gedanken um ein lebenswertes Leben auf dem Lande und Zukunftschancen der Dörfer im Zusammenhang mit ländlicher Tierproduktion machen und sich den Fragen der Bürger stellen wollen.

Auch uns bewegt dieses Thema sehr, deshalb wenden wir uns mit diesem Brief an Sie.

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, sollen in der Gemarkung Klein Daberkow -zwischen den Naturschutzgebieten Brohmer Berge und Lauenhagener See sowie dem nahegelegenen LSG Helpter Berg- zwei Hähnchenmastanlagen mit 400.000 Tierplätzen durch holländische Investoren entstehen.

Neben den genannten Naturschutzgebieten besteht hier eine touristische Infrastuktur mit Radwegen, Hotellerie, Gastronomie sowie Ferienwohnungen und lockt das Wildtierland Gut Klepelshagen viele Besucher in unsere Region.

Es geht nun ganz und gar nicht darum, dass in dieses Szenario Landwirtschaft und Tierhaltung nicht passt oder nicht gewollt ist. Im Gegenteil, wir sehen hier ein grosses Potential des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Gerade Touristen und die in der Tourismusbranche Aktiven sind an bäuerlichen Landwirschaftsbetrieben, ökologisch wirtschaftenden Bio-Höfen, Hofläden, Märkten und Gastronomien mit zukunftsweisender und nachhaltiger Bewirtschaftung bzw. Konzepten interessiert. Auch beim Verbraucher ändert sich das Verhalten, wird er über die Mißstände informiert. Ein Beispiel dafür ist das Verschwinden von Eiern aus Käfighaltung vom Markt.

Mit Besorgnis beobachten wir deshalb die jüngste Entwicklung, Massentierhaltung im industriellen Maßstab in unserer Gegend zu etablieren. Der geplante Bau von Hähnchenmastanlagen in der Größe von 400.000 Tierplätzen in Klein Daberkow ist unserer Meinung nach genau das Gegenteil von dem, was ein Dorf zukunftsfähig und lebenswert macht. Vielmehr befürchten wir negative Folgen für Mensch, Tier und Natur in vielerlei Hinsicht. Es werden hier keine landwirtschaftlichen oder bäuerlichen Betriebe geplant sondern Agrarfabriken, in denen alle wesentlichen Prozesse automatisiert sind, so dass keine Arbeitsplätze entstehen und in denen die Tiere ein kurzes, qualvolles Dasein fristen.

Nicht nur Touristen haben keinerlei Interesse in einer Naturlandschaft zu urlauben, wo hinter der Ecke eine übergroße tierquälerische Massentierhaltung betrieben wird, sondern auch die Bewohner lieben und schätzen ihr Land. Die Ansiedlung von Neubürgern wie jungen Familien, die ihren Kindern ein Aufwachsen in gesunder unbelasteter Umgebung ermöglichen möchten, oder von Ferienhausbesitzern, die viel in die Erhaltung alter Bausubstanz investieren und damit zu einer Verbesserung des Dorfbilds beitragen, wird so nicht unterstützt.

Ein lebenswertes und zukunftsfähiges Leben auf dem Dorf - und nicht nur hier - bedeutet, dass die vorhandenen Ressourcen und Potentiale so genutzt werden, dass sie dem Leben an sich und dem Leben der Menschen dienen und nicht lebensfeindlich organisiert sind und damit den Interessen einiger weniger zugute kommen.

Wir haben unsere Bedenken - wie so viele andere Menschen derzeit in ganz Deutschland - bereits ausführlich im Rahmen unserer Einwendungen an das StAUN Neubrandenburg dargelegt.

Deshalb haben wir heute einige ausgewählte Fragen an Sie, die jedoch bei weitem nicht das gesamte Spektrum der Thematik fassen!

 

Unsere Fragen

Wissen Sie, wie sehr die ungeheuren Mengen an Hühnermist/Gülle, die mit Pestiziden, Antibiotika Krankheitskeimen und Medikamentenrückständen belastet sind, Boden und Grundwasser verseuchen?

Kennen Sie die gravierenden Nitratprobleme im Grundwasser im Weser-Ems-Land, die durch intensive Bewirtschaftung und ungezügelte Massentierhaltung entstanden sind?

Haben Sie Kenntnis davon, dass in Holland, um nicht in Gülle zu versinken und um die Umweltbelastungen zu reduzieren, den Landwirten bzw. Konzernen Prämien gezahlt wurden, damit sie andernorts tätig werden?

Und kennen Sie die jüngste Forderung von über 200 niederländischen Wissenschaftlern im Mai 2010, der organisierten Unverantwortlichkeit im Bereich der agrarindustriellen Tierhaltung endlich ein Ende zu setzen?

 

Sollten wir nicht aus den Fehlern, die andernorts begangen wurden, lernen?

Kennen Sie die Vorgehensweise sog. Integrationen: dass die Mäster vollkommen abhängig von den Vorgaben der Geflügelkonzerne sind sowie von deren Preisen für Küken, Futter und Hähnchen? Die sog. Integration gewinnt immer: am Futter, an den Kücken, am Handel usw.

Finden Sie es politisch und wirschaftlich vertretbar, dass es Großkonzerne sind, die durch die Integration über ihre Tochterfirmen die Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern erhalten? Dass hier Gewinne privatisiert und Kosten sozialisiert werden?

Sie schreiben von möglichen Arbeitsplätzen, die ungenutzt blieben. Haben Sie untersucht, wieviele Arbeitsplätze dafür in kleineren Betrieben verlorengehen und schon verlorengingen, wenn diese gegen die industrielle Billigproduktion nicht mehr konkurrenzfähig sind? Und was ist mit den Arbeitsplätzen in all den anderen Bereichen, die von dem Betrieb der Anlagen betroffen sein werden? In den beiden übergrossen Mastanlagen in Klein Daberkow soll den Unterlagen zufolge nur je ein Arbeitsplatz entstehen.

Wie stehen Sie dazu, dass die wachsende Überschussproduktion und die subventionierten Billig-Exporte auch auf dem Weltmarkt die Preise immer mehr ruinieren und Qualität hintenan gestellt wird?

In letzter Zeit haben die Berichte über unethische qualvolle Haltungsbedingungen in Massentieranlagen zugenommen.

Haben Sie Kenntnis davon, dass das enorme unnatürliche Gewicht bei den Hühnern starke Herz-Kreislaufprobleme hervorruft, der Körper mit der raschen Gewichtszunahme nicht fertig wird, die Tiere schwerstkrank und unbeweglich auf engstem Raum vor sich hinvegetieren?

Dieses Fleisch kann nicht qualitativ gut oder gar nahrhaft sein.

 

Die Investoren werden umfangreich unterstützt.

Wie unterstützen Sie kleinere und mittelständige Betriebe, die auf artgerechte ökologische Tierhaltung umstellen wollen? Ist es nicht aus vielerlei Hinsicht wünschenswert, auf Qualität statt auf Quantität zu setzen?

 

Die in Klein Daberkow geplanten Anlagen - eine der grössten Hähnchenmassentieranlagen Deutschlands - sollen auch eine der modernsten Anlagen in Europa sein. Wie passt diese Aussage mit der Tatsache zusammen, dass der Einbau von Filtern in die Ablüftung, die die Umgebung und die Anwohner schützen würden und die sogar von der EU dringend empfohlen werden, nicht für nötig gehalten wird?

Ist Ihnen bekannt, dass die Anlagen direkt gegenüber von Wohnhäusern, an einer kleinen Straße (ein asphaltierter Wirtschaftsweg mit Baum-Allee) gelegen, entstehen sollen? Mitten zwischen Naturschutzgebieten soll auf einer Fläche von 27.244 qm bestes Ackerland versiegelt werden.

 

Der Standort ist durch seine Nähe zu den Naturschutzgebieten ein wichtiger Zugvogelrastplatz; gefährliche Infektionskrankheiten aber haben nachgewiesenermaßen ihre Brutstätten in den unzumutbaren Zuständen der Massentierhaltungen. Dazu gehören Salmonellen, Campylobakter und auch die Vogelgrippe, "Chronischer Botulismus", Q-Fieber u.a.

Haben Sie Kenntnis über das Risikopotenzial von Viren und Keimen, wie den MRSA-Keimen, die in Hähnchenmastanlagen vorkommen?

Kennen Sie die Göttinger Erklärung der Agrar- und Veterinär-Akademie vom März 2010?

Wie sollen Mensch und Tier ausreichend vor gesundheitlichen Bedrohungen durch die Anlagen geschützt werden?

Und wie lässt sich das alles mit dem diesjährigen "Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt" vereinbaren, mit dem nach Ihren eigenen Worten der Schutz der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und gerade das menschliche Wohlergehen und die Entwicklung von Strategien für eine globale und lokale nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollen.

 

Sicher haben Sie auch die Titelstory in der Zeitschrift Stern Nr.22/2010 zur Kenntnis genommen, in dem sehr anschaulich belegt wird, dass das Fleisch in Deutschland zwar billig, aber sehr minderwertig ist und fast nicht mehr als Mittel zum Leben taugt.

Können Sie als Landwirschaftsminister aber auch als Minister für Verbraucherschutz verantworten, dass durch den vermehrten Verzehr von mangelhaftem Fleisch aus nicht artgerechter Haltung in der Bevölkerung zunehmend Gesundheitsprobleme auftreten, die das Gesundheitssystem unnötig belasten?

 

Unsere Dörfer sollen nicht nur schöner werden sondern auch schön bleiben!

Durch die Ansiedlung von industriellen Massentierhaltungsfabriken in bestehenden intakten Natur- und Tourismusentwicklungsgebieten wird sicher keine Zukunftssicherung der Dörfer betrieben, sondern vielmehr das Gegenteil erzielt. Öffentliche und private Investitionen in die Dorferneuerung werden entwertet, nicht LKW-befahrbare Dorfstrassen werden zerrüttet.

Wir fordern deshalb ein Raumordnungsverfahren für Klein Daberkow im Rahmen der anhängigen Erarbeitung eines Raumentwicklungsprogramms beim regionalen Planungsverband Neubrandenburg.

 

Wir bitten Sie, als Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, die Verantwortung, die Sie Kraft Ihres Amtes tragen, wahrzunehmen.

Haben Sie den Mut, verhindern und beenden Sie diese zukunftsbedrohende Entwicklung. Gehen Sie den zukunftsfähigen Weg!

Stellen Sie sich bitte den Besorgnissen auch vor Ort und kommen Sie zu einer Diskussion mit uns Betroffenen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Bürgerinitiative `Pro Landleben Brohmer Berge´

im Auftrag

Carolin Große     Petra Sauer     Jürg Schwarz

 

Es liegen derzeit über 400 Unterschriften gegen die geplanten Anlagen in Klein Daberkow vor.

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